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||justIMAGINE||
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Dieses Thema hat 2 Antworten
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 Aleah&&Matt
Matthew Davis Offline




Beiträge: 27

09.10.2008 18:28
||Everything I do, I do it for YOU|| antworten

"Scheiße, du kannst mich mal am Arsch lecken!" Wütend riss Matt seine Jacke vom Stuhl und verließ das kleine Büro mit scheppernd zu fallender Tür. Wieso zum Teufel kam er überhaupt noch hier her? fragte er sich, während er mit riesen Schritten über den Kiesweg stapfte, sein Ziel, der Fahrradständer, immer fest im Blick.
Weil er süchtig danach war... Konnte diese Scheiß-Stimme in seinem Scheiß-Kopf nicht mal endlich die Klappe halten?! "Scheiße!" fluchend gelangte er endlich an seinem Rad an und zerrte es unbeeindruckt von den drum herum stehenden Fahrrädern aus dem Ständer. Behände schwang er sich auf den Drahtesel und hieb in die Pedalen, was das Zeug hielt. Es machte ihm nichts, dass die doch schon relativ kühle Herbstluft ihm um die Nase wehte. Vielleicht trug das ja dazu bei sein erhitztes Gemüt zu beruhigen, obwohl er daran kaum glaubte.
Tom hatte gesagt, er würde angeblich die Kunden vertreiben! Er, Matt! Pah, nur weil er nicht in einer Tour quasselte, so wie anderen? Das konnte ja wohl nicht ihr Ernst sein.
Ja, er war halt ein bißchen stiller geworden, aber doch erst seit...
In diesem Moment verflog Matts Wut. Seit sein bester Freund gestorben war. Die Wut in Matts Augen erlosch schlagartig, so, als ob jemand das Licht ausgeknipst hätte. "Scheiße..." murmelte er wohl zum hundertsten Mal an diesem Tag.
Nicht mehr wütend, aber immer noch leicht verstimmt, bog er von der Landstraße in das kleine Vorörtchen ab, wo er wohnte und radelte im Höchsttempo auf seinem Mountainbike die Straße entlang. Gerade als er zum Marktplatz abbiegen wollte, dachte er zum wiederholten Male an diesem Tag: Scheiße. Das war, bevor er in filmreifer Manier über die Motorhaube eines aus einer Einfahrt schießenden Wagens segelte und Bruce Willis-like über den Asphalt kullerte. Das letzte, was er bewusst wahrnahm, war das ekelhafte Geräusch, was sein Fahrrad machte, als es über den rauen Asphalt geschleudert wurde. "Scheiße." Das Fahrrad war neu gewesen.

Aleah Colonomos Offline




Beiträge: 9

19.10.2008 19:34
#2 RE: ||Everything I do, I do it for YOU|| antworten

Dass Matt über einen so ausgeklügelten Wortschatz verfügte, hätte Aleah sehr amüsiert. Aber wer den Schaden hatte, brauchte ja auch bekanntlich für den Spott nicht zu sorgen. Dabei war es gar nicht so, dass sie ihn verspotten würde.
Doch zurück zum Anfang. Aleah konnte natürlich von dem Ärger den Matt offensichtlich hatte rein gar nichts ahnen und SIE war an diesem Tag auch nur guter Dinge. Was nicht ungewöhnlich war, da Aleah sehr wahrscheinlich zu den optimistischen, fröhlichsten Menschen im gesamten Universum zählte. Nur so war an diesem Herbsttag auch ihr gewagtes Outfit zu erklären, dass den Temperaturen nicht angemessen viel sonnengebräunte Haut offenbarte.
Es war trotzdem interessant nun zu rekonstruieren wie ausgerechnet MATT über die Motorhaube von Aleah und Alodie hatte segeln können:

Es war vielleicht nicht ganz unwichtig zu erwähnen, dass die Herbsttage in New Orleans bei Weitem nicht so frisch waren wie anderswo. Aleah liebte ihren Geburtsort. Wie auch nicht? Die Stadt war tagsüber ziemlich träge in der Hitze und hatte oftmals schlechte Laune, mit all den bunten Häuserfassaden der Kolonialhäuser. Zu gern faulenzte Aleah im Schatten am Ufer des Flusses auf dem sich die Schiffe, Frachter und Dampfer tummelten. Die beklagenswerte Armut der farbigen Bevölkerung gehörte für sie aber ebenso zu dem New Orleans das sie liebte. Nicht weil sie sich am Leid anderer Leute ergötzte. Sondern weil die farbigen Händler an den Straßenrändern einen Stolz, eine Fröhlichkeit und eine Erhabenheit ausstrahlte die Aleah jedes Mal eine Gänsehaut auf die Unterarme trieb. Sie liebte die schwüle Luft die voll von Cajun Gewürzen duftet und den klingenden, schluchzenden oder beschwingenden Jazz den man überall aus den Häusern hören konnte.
Seit nun mehr 15 Jahren betrieb Aleahs Mutter zusammen mit ihrer engsten Vertrauten und besten Freundin Alodie das kleine Wirtshaus in dem Vergnügungsviertel der Stadt. Es war kein Geheimnis, dass die Touristen ihnen das Geld ins Haus brachten und doch waren die drei Frauen in der Stadt keine Unbekannten, was mit Sicherheit auch an der Intimität der Stadt lag, weil man sich hier eben kannte oder nicht.

Seit nun beinahe zwei Jahren versuchte Aleah Alodie davon zu überzeugen dass Autofahren Freude bereitete und das es für die Köchin einfach praktischer wäre wenn sie ihre Einkäufe mit dem Wagen erledigte und nicht immer alles Waren durch die Stadt schleppen musste. Zwei Jahre, in denen Aleah mit Engelszungen auf sie eingeredet hatte, da Alodie sich vor dem Autofahren einfach fürchtete und es für Schnickschnack hielt.
Nun war es heute soweit gewesen. Alodie hatte sich nicht mehr heraus reden können und Aleah hatte mit lauter Musik die aus dem Auto dröhnte, nicht nur die Scheiben hinunter gekurbelt um die Luft zirkulieren zu lassen, sie hatte lauthals bei dem skeptischen, ängstlichen Gesicht ihrer Tante gelacht. Hatte vor lachen Tränen geweint, weil Alodie geflucht und geschimpft hatte, während der Wagen sich stotternd aus dem Hinterhof durch die Einfahrt bewegt hatte, hatte sich den schmerzenden Bauch halten müssen als Alodie dem Wagen einen ungeduldigen Klaps verpasst hatte und hatte bei dem Geräusch, dass der Aufprall verursacht hatte vor Schreck beinahe das Bewusstsein verloren.
Es dauerte einen Moment bis sie registrierte was geschehen war und während Alodie vor Schreck stocksteif geworden war, hatte Aleah die Beifahrertür aufgerissen und war in klappernden Flipflops (sie mochte dieses Geräusch beim Laufen einfach so sehr) auf den leicht lädierten Matt zugeeilt. Ging es ihm gut?

Matthew Davis Offline




Beiträge: 27

21.10.2008 12:41
#3 RE: ||Everything I do, I do it for YOU|| antworten

Vielleicht war es Schicksal, dass Matt Aleah und Alodie ausgerechnet da vors Auto lief, als diese zum Ersten Mal hinter dem Steuer Platz nahm, nachdem sie von Aleah bekniet wurde, es doch wenigstens mal versuchen.
Vielleicht aber war es auch nur ein dummer Zufall, der auf Matts Unaufmerksamkeit zurückzuführen war. Ungeklärt.
Geklärt war jedenfalls, dass Matt unmittelbar nachdem sein Schädel mit dem Asphalt korresponidert hatte, gräßliche Kopfschmerzen verspürte.
Mühsam blinzelte er gegen das grelle Sonnenlicht an, dass ihm so verflixt in die Augen zu scheinen schien.
Nach und nach ging er eine imaginäre Bestandsliste durch:
Kopf: Schmerzend, aber noch da --> Check
Arme: Undefinierbar, aber noch da --> Check
Beine: Leichter Schmerz, da wo er sich mit dem Fahrrad verhakt hatte --> Check
Soweit noch die wichtigsten Teile vorhanden. Erleichterung pur.
Sein etwas unsteter Blick fiel auf ein paar bunter FlipFlops, in denen (oder auf?) ein Paar hübsche, schmale Füße steckten. Langsam krabbelte sein Blick den ebenso hübschen, leicht gebräunten Beinen empor, die unter einem süßen Minirock hervorlugten. Aber viel interessanter war das ängstliche Gesicht, dass ihn oben erwartete und augenblicklich ließ Matt seinen Kopf zurück sinken, irgendwelche stöhnenden Laute von sich gebend.
Ha, sollte sie ruhig Angst bekommen. Man fuhr ihn nicht einfach so über den Haufen.
Auf wenn man äußerst hübsche Beine hatte, aber, hallo? Hatte er das schon vergessen? Das interessierte ihn nicht. Nicht mehr. Seit er sich allen Dingen versagt hatte, die Spaß machten.
Nun wurden die Kopfschmerzen noch größer. Es war einfach unfair. Egal was er dachte, machte oder auch nur sagte...er landete unweigerlich immer an dieser Stelle, die er Nacht für Nacht erlebte, immer denselben Scheißtraum mit demselben Scheißausgang.
"Scheiße." Nein, heute war wahrlich nicht einer seiner kommunikativsten Tage.
Matt blinzelte erneut, noch immer waren da diese Beine, aber diesmal knieten sie neben ihm, so dass er das Gesicht besser sehen konnte, umgeben von einer Flut blonder Haare. Sehr hübsch, ja doch.
Ein dramatisches Lächeln schlich sich auf sein vor "Schmerz" gepeinigtes Gesicht. "Ich brauch ein Pfarrer..." nuschelte er undeutlich. "Beichte, bevor..." Seine Stimme erstarb und er schloss geschwächt die Augen. Aber sein Inneres, das grinste. Groß und breit.

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